Kleine Watte, große Wirkung

Vor sechzig Jahren wurde der erste o.b. Tampon produziert – eine Revolution für die deutschen Frauen. Denn er war nicht nur ein Bedarfsartikel par excellence. Er hat einen wesentlichen Beitrag zur modernen Lebensführung der Frauen geleistet. Ein kleiner Einblick in die o.b. Erfolgsgeschichte.

 

Die Geschichte beginnt mit einem Zufall: Ende der 1940er Jahre trafen sich der Ingenieur Carl Hahn und der Jurist Heinz Mittag am Düsseldorfer Rheinufer. Inspiriert von der Aufbruchstimmung in Deutschland überlegten sie, womit sie künftig ihr Geld verdienen könnten. Ihre Aufmerksamkeit wurde durch eine amerikanische Zeitschrift geweckt, die mit dem Slogan „Be a rebel“ für Tampons warb. Dass so ein Hygieneartikel auch in Deutschland erfolgreich wäre, davon waren die beiden schnell überzeugt. Sie fassten den Entschluss, den ersten Tampon für den deutschen Markt zu entwickeln.

 

Unterstützung bekamen Hahn und Mittag von der damals 28-jährigen Gynäkologin Dr. Judith Esser. Sie war an der Landesfrauenklinik in Wuppertal eine der wenigen weiblichen Vertreterinnen ihres Fachs, als die Unternehmer auf ihren damaligen Vorgesetzten, Professor Karl Julius Anselmino, zugingen. Dieser war davon überzeugt, dass seine Mitarbeiterin Hahn und Mittag in medizinischen Fragen bestens beraten könnte. „Ich fand das eine so glänzende Idee, den Menstruationsschutz an einer Stelle anzubringen, wo man ihn nicht spürt, wo er tut, was er soll und mit dem man eine ästhetisch vollkommen befriedigende Lösung hat“, so die Frauenärztin heute.
Die größte Herausforderung stand den Entwicklern jedoch noch bevor: Um die Tampons in großer Stückzahl produzieren zu können, musste eine Maschine her, die Watte mechanisch rollen konnte – eine Technik, die bereits in der Tabakindustrie angewendet wurde. Hahn und Mittag beauftragten deshalb einen Experten aus der Zigarettenbranche, der eine solche Maschine konstruierte – unter erschwerten Bedingungen: Die Watte war widerspenstiger als Tabak und ließ sich schwer verarbeiten. Nachdem das Projekt nach vielen Versuchen endlich gelang, ließen sich die Erfinder das Verfahren patentieren. Es fehlte nur noch der Name. Die diskrete Lösung: o.b., die Abkürzung für „ohne Binde“.

 

Ein unmoralisches Angebot – mit großem Erfolg
Am 13. März 1950 wurden die ersten o.b. Tampons in einer 10er-Packung für 95 Pfennig verkauft. Doch die Markteinführung verlief nicht ohne Hindernisse: Manche Händler fanden es unmoralisch, Tampons in ihr Sortiment aufzunehmen. Bei den Frauen musste eine jahrhundertealte Gewohnheit durchbrochen werden. Ihre Reaktionen waren gemischt: „Es gab eine Gruppe Frauen, die auf so etwas nur gewartet hatten“, erzählt Frau Dr. Esser Mittag. „Andere konnten sich überhaupt nicht vorstellen, wie der Tampon in ihrem Körper Platz finden sollte.“ Hahn und Mittag stellten fest, dass für ihr Produkt viel Informationsbedarf bestand. Von Anfang an spielte die Beratung der Verbraucherinnen eine zentrale Rolle. Speziell für junge Mädchen erschienen 1974 erstmals die Broschüre „Vom Erwachsenwerden“ und das sogenannte Schulpaket mit Unterrichtsmaterial. „Es gab keine andere Möglichkeit, als die Aufklärung“, erinnert sich die Gynäkologin. „Eigentlich musste die ganze Bevölkerung umgekrempelt werden. Denn o.b. war nicht einfach ein Drogerieartikel, sondern bedeutete eine tiefgreifende soziokulturelle Veränderung.“

 

Unbeschwertes Lebensgefühl
Der Erfolg von o.b. ließ nicht lange auf sich warten. Bereits im ersten Jahr wurden in Deutschland mehr als zehn Millionen o.b. Tampons verkauft. Das Produkt erleichterte es den Frauen, während ihrer Periode wie gewohnt den Alltag zu gestalten, arbeiten zu gehen oder Sport zu treiben. „Wir haben den Frauen ein ganz schönes Stück Freiheit beschert“, so Esser Mittag.

Wie blickt sie heute, 60 Jahre nach der Erfindung des o.b., auf die gesellschaftliche Entwicklung zurück? Dr. Esser Mittag: „Es ist schön zu sehen, wie sich Frauen Stück für Stück ihr Terrain erobert und behauptet haben“.

 

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